Urlaubsberechnung für Bauunternehmen

Im Baugewerbe existieren eigene Regeln rund um den Urlaub. Das gilt nicht nur für das Urlaubsentgelt, sondern auch dafür, wie sich der Urlaubsanspruch ermittelt. Die Beschäftigungsdauer eines Arbeitnehmers in allen Betrieben des Baugewerbes während des Kalenderjahres wird zusammengefasst und die Zahl der Urlaubstage auf dieser Basis ermittelt. Wir erläutern die Regelungen.

Bundesurlaubsgesetz und Tarifvertrag

Grundsätzlich und branchenunabhängig gilt: Jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub, dieser Anspruch ergibt sich aus dem Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Danach stehen jedem Arbeitnehmer jährlich mindestens 24 Werktage an Urlaub zu (§ 3 BurlG). Als Urlaubsjahr gilt das Kalenderjahr.

Tarifverträge können von der gesetzlichen Regelung abweichen und eine längere Dauer des Urlaubsanspruchs bestimmen. So ist es etwa im Baugewerbe: Der Bundesrahmentarifvertrag für das Baugewerbe (BRTV, zuletzt in der Fassung vom 10. Juni 2016) enthält in § 8 eigene spezifische Regelungen zum Urlaub.

Dieser Rahmentarifvertrag ist für Arbeitnehmer im Baugewerbe statt der Vorschriften des Bundesurlaubsgesetzes einschlägig.

Allerdings gilt der BRTV nicht für alle Gewerke auf Baustellen. Für Dachdecker-, Glaser- sowie Malerbetriebe hat er beispielsweise keine Wirkung. Die gesamte Liste nicht erfasster Betriebe findet sich in §1 Abschnitt VII BRTV. Der BRTV kann auf der Website der SOKA-Bau heruntergeladen werden: http://www.soka-bau.de/fileadmin/user_upload/Dateien/Arbeitgeber/tarifvertrag_brtv.pdf

Urlaubsanspruch und Beschäftigungsverhältnisse

Der BRTV gewährt gewerblichen Arbeitnehmern des Baugewerbes Anspruch auf 30 Arbeitstage Erholungsurlaub im Urlaubsjahr (das, wie erwähnt, dem Kalenderjahr entspricht). Maßgeblich für die Berechnung der Urlaubstage ist die Dauer der Beschäftigung in einem Betrieb des Baugewerbes im Urlaubsjahr.

Bekanntlich gibt es Besonderheiten im Baugewerbe, so sind häufige Arbeitsplatzwechsel und kurze Beschäftigungsverhältnisse typisch. Oft verlassen die Arbeitnehmer ein Unternehmen wieder, bevor sie den vollen Urlaubsanspruch erwerben oder ihren Urlaub nehmen können. Dann bliebe nur die Abgeltung der Ansprüche. Das stellt für die Arbeitgeber eine Belastung dar. Und dem Arbeitnehmer wäre am Ende des Jahres nach mehreren unterjährigen Wechseln zwar der Urlaubsanspruch abgegolten worden, Erholungsurlaub hätte er aber keinen nehmen können.

Um das zu verhindern, wird die Beschäftigungsdauer zusammenaddiert, selbst wenn diese bei verschiedenen Arbeitgebern erworben wurden weil der Arbeitnehmer während eines Urlaubsjahrs (Kalenderjahrs) in mehreren Betrieben des Baugewerbes gearbeitet hat. Die verschiedenen Beschäftigungsverhältnisse werden in dieser Hinsicht so behandelt, als handle es sich nur um ein Arbeitsverhältnis.

Beschäftigungstage ermitteln

Pro zwölf Beschäftigungstage im Baugewerbe erhält der Arbeitnehmer derzeit Anspruch auf einen Tag Urlaub. Ist er ganzjährig im Baugewerbe tätig, ergibt sich der volle Anspruch auf insgesamt 30 Urlaubstage, denn das Arbeitsjahr wird mit 360 Tagen gerechnet.

Für die korrekte Berechnung der Urlaubsdauer müssen die Beschäftigungstage exakt ermittelt werden. Als Beschäftigungstage gelten die Kalendertage, die der Arbeitnehmer im Rahmen eines Arbeits- oder Ausbildungsverhältnisses in einem Baubetrieb tätig ist.

Um den Urlaubsanspruch zu errechnen, wird die Gesamtzahl der geleisteten Beschäftigungstage (Kalendertage) in einem Urlaubsjahr durch 12 geteilt.

Der volle Beschäftigungsmonat wird mit 30 Tagen gerechnet (12 x 30 = 360 Tage). Natürlich beginnt nicht jedes Arbeitsverhältnis am Monatsanfang oder endet am Monatsende. In solchen Fällen werden die Beschäftigungstage dieses Monats ermittelt und hinzugezählt.

Hat der Arbeitnehmer im Urlaubsjahr zwar einen Anspruch auf eine bestimmte Anzahl von Urlaubstagen erworben, diesen aber nicht oder nicht in voller Höhe ausgeschöpft, dann werden die übrig gebliebenen Urlaubstage auf das nächste Jahr übertragen.

Ergeben sich Bruchteile von Urlaubstagen, so wird am Jahresende gerundet. Bruchteile von mindestens 0,5 Urlaubstagen werden aufgerundet, Bruchteile darunter abgerundet.

Nicht als Beschäftigungstage gelten Tage, an denen

  • der Arbeitnehmer unentschuldigt nicht zur Arbeit erschienen ist oder
  • dem Arbeitnehmer unbezahlter Urlaub gewährt worden ist, falls dieser zusammenhängend länger als 14 Tage betragen hat.

Schwerbehinderte

Für Schwerbehinderte im Sinne der gesetzlichen Regelungen gibt es besondere Bestimmungen. Sie erhalten insgesamt 5 Arbeitstage mehr Urlaub.

Bei Schwerbehinderten müssen die Beschäftigungstage statt durch 12 durch 10,3 dividiert werden.

Das Kalenderjahr wird mit 360 (Beschäftigungs-)Tagen gerechnet. Diese werden durch 12 geteilt, was bei einem Beschäftigungsverhältnis ohne Unterbrechungen 30 Urlaubstage ergibt. Bei Schwerbehinderten werden die 360 Tage durch 10,3 dividiert, sodass sich insgesamt 35 Urlaubstage ergeben.


Falls die Schwerbehinderung erst ab dem 01.05.2004 anerkannt worden ist, besteht der erhöhte Anspruch auf Urlaub nur für jeden vollen Monat der Schwerbehinderung, also ab dem auf das Datum des Bescheids folgenden Monat. Entsprechendes gilt auch bei Aberkennung der Schwerbehinderung.

Urlaubsanspruch bei Teilzeit

Bei einem Teilzeitbeschäftigten beträgt die vereinbarte und durchschnittlich oder regelmäßig geleistete wöchentliche Arbeitszeit normalerweise weniger als fünf Arbeitstage pro Woche. Ähnliches gilt oft für Aushilfen. Dann müssen die Beschäftigungstage nach einer eigenen Formel errechnet werden.

Die tatsächlich geleisteten Arbeitstage pro Woche sind durch 5 Arbeitsteile pro Woche zu teilen und das Ergebnis mit 30 Beschäftigungstagen zu multiplizieren. Dies ergibt die Anzahl der reduzierten Beschäftigungstage.

Beispiel: Bei drei Arbeitstagen pro Woche ergibt sich bei einem Beschäftigungsmonat ein Anspruch auf Urlaub aus 18 Beschäftigungstagen.

(3 Wochenarbeitstage / 5) * 30 Beschäftigungstage = 18 Urlaubstage

Hinweis: Urlaubsanspruch bei Saison-Kurzarbeitergeld

Wie für andere Formen von Kurzarbeit gilt auch für Zeiten, in denen Arbeitnehmer Saison-Kurzarbeitergeld erhalten: Der Urlaubsanspruch wird davon nicht berührt. Die verminderte Arbeitszeit hat keine Verringerung der Urlaubstage zur Folge.

Urlaubsabgeltung und Verfall des Urlaubsanspruchs

Einen Anspruch auf Urlaubsabgeltung haben Arbeitnehmer laut BRTV nur, wenn sie seit drei Monaten nicht mehr bei einem Bauunternehmen beschäftigt waren. Der Abgeltungsanspruch richtet sich nicht gegen die früheren Arbeitgeber, sondern direkt gegen die SOKA-Bau.

Urlaubsansprüche aus dem Vorjahr verfallen nicht spätestens mit Ablauf des ersten Quartals des Folgejahrs (der in § 7 Abs. 3 Satz 3 BurlG gesetzten Frist). Sie können bis zum Ende des Folgejahrs geltend gemacht werden. Für Urlaubsansprüche aus dem Jahr 2017 bleibt also bis zum 31. 12. 2018 Zeit. Die in § 14 BRTV auf zwei Monate begrenzten Ausschlussfristen finden insofern keine Anwendung.

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