Hinzuverdienstgrenzen für Studenten

Viele Studenten sind darauf angewiesen, sich etwas zum Studium hinzuzuverdienen. Allerdings ist das nicht immer unkompliziert: Für sie gelten Hinzuverdienstgrenzen, und das je nach Leistung, um die es geht, in unterschiedlicher Höhe.

Vorweg

BAföG-Leistungen und Stipendien sind steuerfrei. Sie gelten auch nicht als Hinzuverdienst, etwa in Bezug auf Kindergeld oder Familienversicherung.

Kindergeld

Erststudium: Keine Hinzuverdienstgrenze

Wenn die Eltern des Studenten für diesen Kindergeld erhalten, ist der Kindergeldanspruch durch den Hinzuverdienst nicht gefährdet, denn das Einkommen der Kinder während des Erststudiums ist anrechnungsfrei. Eine Hinzuverdienstgrenze gibt es in diesem Fall schon seit 2012 nicht mehr.

Zur Erinnerung: Für Kinder bis 18 Jahre haben Eltern ohnehin einen Kindergeldanspruch. Kindergeld gibt es in der Regel auch für Kinder ab dem 18. Lebensjahr bis zum vollendeten 24. Lebensjahr, wenn diese studieren. Wartezeiten auf einen Studienplatz oder den nächsten Studienabschnitt werden wie Studienzeiten behandelt.

Zweitstudium: Schädliche Einkünfte

Wenn das Kind allerdings bereits eine Berufsausbildung oder ein Erststudium abgeschlossen hat, gelten andere Regeln. Dann haben die Eltern nur noch dann einen Anspruch auf Kindergeld, wenn keine sogenannten „schädlichen Einkünfte“ erzielt werden. Unschädlich sind Einkünfte im Zweitstudium …

  • aus einer Tätigkeit mit maximal 20 Wochenstunden
  • wenn sie als Ausbildungsvergütung bezahlt werden
  • aus einem geringfügigen Arbeitsverhältnis (Minijob)

Allerdings gibt es auch von diesen Regelungen in bestimmten Fällen Ausnahmen.

Krankenversicherung

Bis zum Erreichen des 25. Lebensjahres können Studenten in der gesetzlichen Krankenversicherung eines Elternteils beitragsfrei familienversichert werden.

Diese Mitversicherungsmöglichkeit hat jedoch ihre Grenzen. Verfügt der Student über eigenes Einkommen, gelten für die Familienversicherung folgende Einkommensgrenzen:

  • Für Minijobs gilt eine Einkommensgrenze von 450 Euro.
  • In allen anderen Fällen kommt eine Familienversicherung nur noch dann in Betracht, wenn bei einem regelmäßigen Verdienst die monatliche Einkommensgrenze 1/7 der monatlichen Bezugsgröße nicht überschreitet. Diese liegt 2017 bei 2.975 Euro, somit ergibt sich eine Monatsgrenze von 425 Euro.

Ausnahme: Eine Familienversicherung ist im Jahr 2017 trotzdem noch möglich, wenn das sonstige anrechenbare Gesamteinkommen zwar die Grenze von 425 Euro überschreitet, zusammen mit dem Gehalt aus dem Minijob aber die Grenze von 450 Euro nicht übersteigt. Solche Konstellationen dürften aber ohnehin selten sein.

Anmerkung: Eine Familienversicherung ist ausgeschlossen, wenn das Elternteil mit dem höheren Einkommen nicht gesetzlich krankenversichert ist (BVerfG, 1 BvR 429/11 vom 14.6.2011).

BAföG

Guten Nachrichten für BAföG-Bezieher: Zum Wintersemester 2016/2017 wurde für Studenten, die Leistungen nach BAföG beziehen, die Hinzuverdienstgrenze auf monatlich 450 Euro angehoben (für Schüler mit Beginn des Schuljahres). Studenten und andere in Ausbildung Befindliche, die mit dem BAföG alleine nicht über die Runden kommen, können damit jetzt 5.400 Euro im Jahr anrechnungsfrei hinzuverdienen.

Das ist auch für Arbeitgeber eine Erleichterung: Sie müssen jetzt wenigstens nicht mehr zusätzlich zur Einkommensgrenze für Minijobber auch noch eine weitere für BAföG-Bezieher beachten. Zuvor mussten Studenten mit einem Minijob mit einer BAföG-Kürzung rechnen, wenn sie über die frühere Hinzuverdienstgrenze von monatlich 407 Euro beziehungsweise jährlich 4.880 Euro kamen.

Mit der Anhebung der Hinzuverdienstgrenze können BAföG-Bezieher nun einen Minijob in vollem Umfang ausüben oder alternativ auch mehrere kleine Minijobs, wenn sie damit zusammengerechnet die Grenze von 450 Euro im Monat nicht überschreiten.

Die Einkommensermittlung bezieht sich bei der BAföG-Prüfung allerdings stets auf den Bewilligungszeitraum. Der ergibt sich aus dem BAföG-Bescheid. In der Regel umfasst der Bewilligungszeitraum ein Jahr. Ist er jedoch kürzer, fällt auch die Hinzuverdienstgrenze geringer aus. Beträgt der Bewilligungszeitraumbeispielsweise nur 10 Monate, sind lediglich 4.500 Euro anrechnungsfrei.

Mögliche Fußangeln für BAföG-Bezieher:

  • Entscheidend ist nicht, für welchen Zeitraum das Geld gezahlt wird, sondern ob das Gehalt in dem betreffenden Bewilligungszeitraum vereinnahmt worden ist. Die verspätete Auszahlung von Gehaltsansprüchen kann sich also fatal auswirken.
  • Bei der BAföG-Bewilligung werden zunächst einmal die Angaben des Studenten zur Höhe seines Einkommens zugrunde gelegt. Zum Ende des Bewilligungszeitraums werden die Angaben jedoch überprüft. Sollte sich dann herausstellen, dass zu viel hinzuverdient hat und damit zu viel BAföG gezahlt wurde, steht eine Rückzahlung ins Haus.
  • Achtung: Neben Einkommen aus einer nicht selbstständigen Tätigkeit (z. B. einem Minijob) zählen auch selbstständige Einkünfte sowie solche aus Vermietung, Verpachtung oder Kapitalvermögen. Das regelt § 21 BAföG, der grundsätzlich auf den Einkommensbegriff im Sinne des Einkommensteuergesetzes verweist. (Allerdings gelten dabei einige Besonderheiten.)

Tipps: Erfahrungsgemäß gibt es noch immer Arbeitgeber und studentische Minijobber, die die Erhöhung der Hinzuverdienstgrenze nicht mitbekommen haben. Dabei hat die Anhebung auch für die Unternehmen Vorteile. Die Arbeitszeit von studentischen Minijobbern lässt sich nun bis zur Verdienstgrenze der 450 Euro ausweiten. So können personelle Engpässe aufgefangen werden, die sich beispielsweise durch die Mindestlohn-Erhöhung ergeben. Diese erzwang bei vielen anderen Minijobbern ja eine Arbeitszeitreduzierung.

 

 

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