Minijob und Flexirente - Teil 1: Änderungen bei der geringfügigen Beschäftigung von Rentnern

Seit Jahresbeginn 2017 gelten neue Bestimmungen für Altersvollrentner, die geringfügig beschäftigt werden: Das Flexirentengesetz hat Änderungen sowohl für die Rentenversicherungspflicht als auch die Rentenansprüche gebracht.

Vorher: Keine Rentenversicherungspflicht für Minijobber ab der Altersgrenze

Grundsätzlich sind Minijobs rentenversicherungspflichtig. Bis zum 31.12.2016 waren Rentner, die die Regelaltersgrenze erreicht hatten und aufgrund dessen eine Vollrente (nach § 42 SGB VI) aus der gesetzlichen Rentenversicherung bezogen, von der Rentenversicherungspflicht jedoch ausgenommen.

Dafür führte der grundsätzlich als Pauschalbetrag entrichtete Arbeitgeberanteil in Höhe von 15 Prozent des Bruttolohns auch zu keiner Erhöhung ihrer Rentenauszahlung.

Jetzt: Auch geringfügig beschäftigte Altersvollrentner sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig

Durch das Flexirentengesetz, das zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten ist, hat sich das geändert. Seither sind Altersvollrentner nur noch nach Erreichen der Regelaltersrente rentenversicherungsfrei. Dies gilt auch für Minijobs. Bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze gilt grundsätzlich die Rentenversicherungspflicht.

Altersvollrentner, die sich als Minijobber etwas hinzuverdienen, können jetzt auch nach Erreichen der Altersgrenze durch freiwillig bezahlte Rentenversicherungsbeiträge ihre Rentenansprüche erhöhen.

Allerdings muss hier sorgfältig differenziert werden.

Hat der Altersvollrentner den 450-Euro Job schon vor dem 01.01.2017 ausgeübt?

Dann ist die Beschäftigung weiterhin rentenversicherungsfrei. Dafür ist es gleichgültig, ob er die Regelaltersgrenze erreicht hat oder noch nicht. Der Arbeitgeber muss allerdings trotzdem den Pauschalbetrag zur Rentenversicherung von 15 Prozent (in Privathaushalten von 5 Prozent) entrichten.

Allerdings kann der Altersvollrentner nun – anders als bislang – auf Wunsch auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten. Diesen Verzicht muss er gegenüber dem Arbeitgeber erklären. Als Folge führt dieser zusätzlich zum Pauschalbetrag auch den Eigenanteil des Altersrentners an die Minijob-Zentrale ab. Beide Beitragsanteile erhöhen die Rentenansprüche des Beschäftigten nach Erreichen der Regelaltersgrenze.

Wird/wurde der 450-Euro-Job erst 2017 aufgenommen, die Regelaltersgrenze ist noch nicht erreicht?

In diesem Fall ist der Altersvollrentner bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze rentenversicherungspflichtig, genauer gesagt bis zum Ablauf des Monats, in dem er die Altersgrenze erreicht. Durch die Beiträge erhöht sich die Rentenauszahlung. Das ist neu und eine Auswirkung des Flexirentengesetzes.

Allerdings kann der Rentner sich auch in diesem Fall von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen.

Wird/wurde der 450-Euro-Job erst 2017 aufgenommen und die Regelaltersgrenze ist zu diesem Zeitpunkt bereits erreicht?

In diesem Fall besteht Rentenversicherungsfreiheit, denn die Rentenversicherungspflicht endet aufgrund der gesetzlichen Vorschriften spätestens mit dem Erreichen der Altersgrenze. Trotzdem muss der Arbeitgeber auch in diesem Fall weiterhin den pauschalen Arbeitgeberbeitrag zur Rentenversicherung leisten. Rentensteigernd wirkt sich diese Zahlung für den beschäftigten Altersrentner allerdings nicht aus.

Allerdings kann der geringfügig beschäftigte Altersrentner diese Sachlage ändern. Er kann durch Erklärung auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichten. Damit steigert er die eigenen Rentenansprüche, denn als Folge der Erklärung wirken sich die Pauschalbeträge des Arbeitgebers rentensteigernd aus. Die Altersvollrente erhöht sich entsprechend der zusätzlich erworbenen Entgeltpunkte jeweils zum Juli des Folgejahres.

Dieser Effekt lässt sich noch steigern, wenn der Altersrentner nach Erreichen der Regelaltersgrenze auf die Rentenversicherungsfreiheit verzichtet und zusätzlich auch eigene Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt. Dann wirken sich sowohl die Arbeitnehmerbeiträge wie die Arbeitgeberpauschale rentensteigernd aus.

Die Erklärung zur Rentenversicherungspflicht

Ein in der Vergangenheit erklärter Verzicht auf die Rentenversicherungspflicht bindet den Minijobber auch weiterhin – in diesem Fall bleibt er versicherungsfrei. Er kann also jetzt angesichts der geänderten Rechtslage und möglicher Vorteile nicht doch wieder zur Versicherungspflicht zurückkehren und Pflichtbeiträge zur Rentenversicherung einzahlen.

Erklärt werden kann der Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit immer nur für die Zukunft, eine rückwirkende Erklärung ist unwirksam.

Hat der Altersvollrentner auf die Versicherungsfreiheit verzichtet, bleibt die Rentenversicherungspflicht für die gesamte Dauer des Minijobs bestehen.

Falls ein Minijobber mehrere Minijobs ausübt, betrifft der Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit jedes dieser Beschäftigungsverhältnisse. Da dies Auswirkungen auf die Pflicht des Arbeitgebers zur Beitragsabführung hat, sollte er jeden geringfügig Beschäftigten schriftlich dazu verpflichten, ihn über weitere Minijobs informiert zu halten.

Zurück

Fragen zum Outsourcing?

Wir beantworten diese gerne.
Rufen Sie gleich an oder senden Sie uns eine Anfrage.
030 417 472 7725
Auf Wunsch erhalten Sie ein kostenfreies Angebot für die Lohn- und Gehaltsabrechnung im Vollservice.

Zum Anfrageformular