Einmalzahlungen – sonstige Bezüge richtig berechnen (10/2011)

Sonderzahlungen – Einmalzahlungen – sonstige Bezüge, das sind 3 Begriffe für denselben Tatbestand. Im sozialversicherungsrechtlichen Sinn heißen solche Zahlungen kurz und bündig EGA , was nichts anderes bedeutet, als „Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt“. Steuerrechtlich handelt es sich um sonstige Bezüge.

Alle nicht regelmäßig gezahlten Bezüge rechnen zu den einmalig gezahlten Arbeitsentgelten. Solche Zahlungen können auch mehrmals in einem Jahr gezahlt werden, wie zum Beispiel Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Entscheidend dabei ist, dass die Zahlung nicht einem bestimmten Leistungszeitraum zugeordnet werden kann.

Pauschalierte Überstundenvergütungen sind regelmäßig keine „echten“ einmalig gezahlten Arbeitsentgelte. Aus Vereinfachungsgründen dürfen diese Zahlungen zwar wie eine EGA abgerechnet werden, unterliegen jedoch im Gegensatz zu einer „echten“ EGA der Umlagenversicherung zur Entgeltfortzahlung (U1) / Beschäftigungsverbot und Mutterschaftsgeldzuschuss (U2).

Berechnungsvorschriften für die Beiträge zur Sozialversicherung

Grundsätzlich muss die Differenz zwischen den Beitragsbemessungsgrenzen (BBG) und dem Arbeitsentgelt berechnet werden. Diese Differenz, die auch SV – Luft genannt wird, stellt den höchstmöglichen Betrag dar, der von der EGA mit Beiträgen belegt werden kann.

Beispiel 1

  • Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt 3.650,00 €. Im Mai erhält der Mitarbeiter ein Urlaubsgelt von 1.500,00 €. Die BBG in der Kranken- und Pflegversicherung beträgt für das Kalenderjahr 2011 genau 3.712,50 € und in der Renten- und Arbeitslosenversicherung 5.500,00 € (BBG West) Achtung!
Berechnungsvorschriften für die Beiträge zur Sozialversicherung - Beispiel 1

Für die Kranken- und Pflegeversicherung müssen aus dem Urlaubsgeld 312,50 € verbeitragt werden, während für die Renten- und Arbeitslosenversicherung Beiträge aus dem gesamten Urlaubsgeld, also aus 1.500,00 € bezahlt werden müssen. Es wird stets höchstens die tatsächliche EGA verbeitragt.

Eine Besonderheit stellt die Zahlung einer EGA in den Monaten Januar bis März dar. Bei Zahlungen innerhalb der ersten 3 Monate muss geprüft werden, ob die vorhandene SV – Luft ausreicht, um die gesamte EGA mit Beiträgen zu belegen. 

Trifft das nicht zu, ist die EGA beitragstechnisch dem Vorjahr zuzuordnen. Es handelt sich um die so genannte Märzklausel.

Beispiel 2

  • Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt 3.650,00 €. Im März erhält der Mitarbeiter ein Urlaubsgelt von 1.500,00 €. Die BBG in der Kranken- und Pflegversicherung beträgt für das Kalenderjahr 2011 genau 3.712,50 € (2010 = 3.750,00 €) und in der Renten- und Arbeitslosenversicherung 5.500,00 € (BBG West, 2010 = 5.500,00 €). Der Arbeits-verdienst betrug im Vorjahr 45.300,00 €.
  • Maßgeblich für die Berechnung ist die BBG der Krankenversicherung, bei privatversicherten Arbeitnehmern die BBG der Rentenversicherung, bei Personen, die privat versichert sind und nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung versichert sind (Mitglieder von berufsständigen Versorgungseinrichtungen),die BBG der Arbeitslosenversicherung.

Prüfung, ob das Urlaubsgeld im laufenden Jahr voll verbeitragt werden kann:

Berechnungsvorschriften für die Beiträge zur Sozialversicherung - Beispiel 2

Konsequenz

Für die Kranken- und Pflegeversicherung ist der Beitragsrahmen erschöpft, es besteht keine Beitragspflicht, da keine SV – Luft vorhanden ist. Es wurden im Vorjahr bereits die wollen 45.000,00 € verbeitragt. Allerdings muss das gesamte Urlaubsgeld (1.500,00 €) mit Beiträgen zur Renten – und Arbeitslosenversicherung belegt werden.

Berechnungsvorschrift für die Ermittlung der Lohnsteuer

Im Steuerrecht werden solche Zahlungen als „sonstige Bezüge“ bezeichnet. Diese Bezüge werden stets nach dem voraussichtlichen Jahresarbeitsverdienst besteuert. Zunächst muss der voraussichtliche Arbeitslohn ohne sonstige Bezüge ermittelt werden. Hierbei bestehen 3 zulässige aber unterschiedliche Methoden:

  1. Bisheriger Verdienst aus dem Lohnkonto plus laufender Arbeitslohn und Hochrechnung des aktuellen Arbeitslohnes bis Dezember.
  2. Bisheriger Arbeitsverdienst einschließlich der laufenden Bezüge dividiert durch die Anzahl der abgerechneten Monate multipliziert mit 12
  3. Bisheriger Arbeitsverdienst aus dem Lohnkonto ohne laufenden Arbeitslohn dividiert durch Anzahl der Abrechnungsmonate multipliziert mit 11 plus laufendes Entgelt.

Beispiel

Laufendes Arbeitsentgeld 3.650,00 €, sonstiger Bezug 1.500,00 € im Mai,

 

Berechnungsvorschrift für die Ermittlung der Lohnsteuer - Beispiel

 

Die Lohnsteuer aus 43.800,00 € beträgt 4.584,00 € = Lohnsteuer 1

Die Lohnsteuer aus 45.300,00 € beträgt 4.944,00 € = Lohnsteuer 2

Die Differenz 4.944,00 – 4584,00 = 360,00 € ist die Lohnsteuer aus dem sonstigen Bezug – Urlaubsgeld 1.500,00 €. Der Solidaritätszuschlag (müsste eigentlich Abzug heißen, da er vom Lohn zusätzlich einbehalten wird…) wird aus der tatsächlichen Lohnsteuer für den sonstigen Bezug berechnet.

Im Beispiel Lohnsteuer 360,00 x 5,5 % = 19,80 €

 

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